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KI & Klima

KI-Systeme brauchen Strom, sehr viel davon. Und Wasser. Und sie emittieren CO₂, obwohl die Konzerne dahinter das Gegenteil versprechen. Diese Seite zeigt, was die Zahlen wirklich sagen.

Alle Fakten stammen aus offiziellen Unternehmensberichten, Regierungsquellen oder peer-reviewten Studien. Jeder Fakt ist direkt verlinkt.

Was die Konzerne selbst berichten

Versprochen, verfehlt: die Klimaziele von Microsoft und Google

Emissionen vs. KlimazielVeränderung ggü. Basisjahr in Prozent (Microsoft 2020, Google 2019)

Quellen: Microsoft Environmental Data Fact Sheet 2026, Google Environmental Report 2026. Scope 1–3, Zielpfad linear.

1 / 6Im Januar 2020 verspricht Microsoft, bis 2030 CO₂-negativ zu werden. Der Weg dahin: Die eigenen Emissionen sollen bis 2030 um mehr als die Hälfte sinken, den Rest soll CO₂-Entnahme ausgleichen. Das ist der Zielpfad.
2 / 6Tatsächlich ging es in die andere Richtung. Im Geschäftsjahr 2025 lagen die Emissionen von Microsoft +58 % über dem Stand von 2020, allein im letzten Jahr kamen 25 % dazu.
3 / 6Auf dem Zielpfad müssten die Emissionen heute bei etwa −26 % liegen. Der Rückstand beträgt also rund 84 Prozentpunkte, und bis 2030 bleiben fünf Jahre.
4 / 6Bei Google sieht es noch deutlicher aus. 2021 setzte sich der Konzern das Ziel, bis 2030 netto null zu erreichen und die Emissionen gegenüber 2019 zu halbieren. Stand 2025: +81 %, im letzten Jahr +18 %.
5 / 6Nach dem Start von ChatGPT geht es bei beiden schneller nach oben. Der Treiber sind neue Rechenzentren: Microsofts Stromverbrauch ist seit 2020 auf das 3,4-Fache gestiegen, Googles seit 2019 auf das 3,6-Fache. Dazu kommen die Emissionen aus dem Bau der Gebäude und der Herstellung der Chips.
6 / 6Offiziell halten beide an ihren Zielen fest. Google nennt sein Ziel inzwischen selbst einen „Moonshot“ und räumt ein, dass das eigene Wachstum die Lücke vergrößert. Schließen sollen sie vor allem zugekaufte CO₂-Entnahmen, ein Markt, der erst im Aufbau ist.
So habe ich gerechnet

Grundlage sind die Emissionen, an denen die Konzerne ihre Ziele selbst messen: bei Microsoft Scope 1, Scope 2 (market-based) und Scope 3 nach „management’s criteria“ im Geschäftsjahr bis 30. Juni, bei Google die „ambition-based emissions“ im Kalenderjahr. Weil beide unterschiedlich abgrenzen, zeigt die Grafik die Veränderung gegenüber dem jeweiligen Basisjahr statt absoluter Tonnen.

Der Zielpfad ist eine gerade Linie vom Basisjahr zum Ziel 2030. Bei Microsoft entspricht das Ziel der Hälfte der Scope-3-Emissionen von 2020 bei Scope 1 und 2 nahe null, bei Google der Hälfte der Emissionen von 2019. Das Netto-Ziel (CO₂-negativ bzw. netto null) wollen beide zusätzlich über CO₂-Entnahme erreichen.

Beide Konzerne haben 2026 ältere Jahre rückwirkend nach oben korrigiert. Die Grafik nutzt jeweils die neueste veröffentlichte Zeitreihe.

Was KI heute verbraucht

Energieverbrauch

Ein Land als Beispiel

Irland: Jede vierte Kilowattstunde geht an Rechenzentren

Stromverbrauch in IrlandGemessener Verbrauch in TWh, jeweils die letzten zwölf Monate

Quelle: Central Statistics Office Ireland, Tabelle MEC02 (CC BY 4.0), Stand 07.07.2026. Ohne Eigenerzeugung vor Ort.

1 / 4Irland hat gut fünf Millionen Einwohner. Haushalte, Industrie und Gewerbe zusammen, also alles außer Rechenzentren, brauchen heute kaum mehr Strom als vor zehn Jahren: 25,3 TWh statt 23,4 TWh, ein Plus von 8 %.
2 / 4Ganz anders die Rechenzentren. Ihr Verbrauch ist von 1,2 TWh im Jahr 2015 auf 7,7 TWh im Jahr 2025 gestiegen, auf mehr als das 6-Fache.
3 / 4Damit fließt inzwischen fast jede vierte Kilowattstunde in Rechenzentren, 23 % des gesamten Verbrauchs. 2015 waren es 5 %. Vom gesamten Zuwachs seit 2015 ging rund 77 % allein an Rechenzentren.
4 / 4Rund 63 % des Anstiegs lagen schon vor dem Start von ChatGPT, also bevor generative KI überhaupt ein Thema war. Der Ausbau für KI kommt erst noch dazu. Weltweit erwartet die IEA, dass sich der Stromverbrauch der Rechenzentren bis 2030 fast verdoppelt. Irland zeigt, was das für ein einzelnes Stromnetz bedeuten kann.

Meine Einordnung

KI und Klimaschutz schließen sich nicht aus, aber die Lücke zwischen Versprechen und Realität wird größer. Rechenzentren haben 2025 laut IEA 485 Terawattstunden Strom verbraucht, 17 % mehr als im Vorjahr, bis 2030 dürften es rund 950 TWh werden. Googles Emissionen stiegen 2025 um 18 %, so stark wie nie zuvor, Microsofts um 25 %. Beide kaufen Ökostrom in Rekordmengen, und trotzdem wächst die Infrastruktur schneller, als sie sauber versorgt werden kann.

Pro Anfrage wird KI deutlich effizienter: Google beziffert einen typischen Gemini-Prompt inzwischen auf 0,24 Wattstunden. Das Problem ist nicht die einzelne Anfrage, sondern die Menge und der Bau neuer Rechenzentren. Das heißt nicht, KI nicht zu nutzen. Es heißt, ehrlich zu sein: Wer KI einsetzt, sollte ihren Ressourcenverbrauch kennen und in seine Entscheidungen einbeziehen.

Claudius Neidig, September 2026