KI-Agenten im eigenen Monitoring sichtbar machen
Anthropic hat am 14. Oktober 2026 den Export von OpenTelemetry-Traces für die Claude API als Beta gestartet. Anfragen an die Messages API, Sitzungen der Claude Managed Agents und Aufrufe über die Claude SDKs erscheinen damit im Observability-Werkzeug, das ein Unternehmen ohnehin nutzt. Jeder Agenten-Schritt, jeder Modellaufruf und jede Tool-Nutzung wird als Span mit Latenz, Tokens und IDs sichtbar.
Die Spans folgen den GenAI Semantic Conventions von OpenTelemetry. Werkzeuge, die diesen Standard kennen, ordnen die Daten ohne Zusatzaufwand ein. Anthropic nennt unter anderem Datadog, Grafana Cloud, Honeycomb, Langfuse, LangSmith, New Relic, PostHog, Sentry, Splunk, Arize AI, Braintrust und Databricks.
Was Teams damit können:
- langsame oder fehlerhafte Anfragen bis auf den einzelnen Modell- oder Tool-Schritt zurückverfolgen
- Token-Verbrauch und Latenz pro Funktion oder Kunde auswerten
- aus echten Anfragen Testfälle für Evals bauen
Zwei Wege: SDK-Tracing und API-Tracing
Die Traces entstehen an zwei Stellen, die sich ergänzen:
- SDK-Tracing: Das Claude SDK in der eigenen Anwendung erzeugt Spans, verfügbar für Python, TypeScript, C#, Go, Java, PHP und Ruby. Es erfasst auch Tools, die die Anwendung selbst ausführt. Keine Admin-Rechte nötig.
- API-Tracing: Die Claude API sendet Spans direkt an ein Ziel, das ein Admin in der Claude Console einträgt. Es zeigt, was innerhalb der API passiert, etwa einzelne Modellläufe, serverseitige Tools wie die Websuche und Agenten-Schritte. Funktioniert mit jedem Client, ohne Codeänderung.
Beide zusammen ergeben einen durchgehenden Trace, vom Klick des Nutzers in der eigenen Anwendung bis zum Tool-Aufruf im Agenten. Für Claude Code und Cowork gibt es eigene OpenTelemetry-Funktionen, sie sind nicht Teil dieser Neuerung.
Datenschutz: Nur Metadaten oder volle Inhalte?
Die wichtigste Einstellung ist der Content Mode:
- Metadata only (Standard): IDs, Zeiten, Status, Token-Zahlen und Namen von Agenten und Tools, keine Prompts und Antworten
- Full content: zusätzlich Prompts, Systemprompts und Antworten, standardmäßig bis 0,75 MB pro Span
Mit vollen Inhalten landen Gesprächsdaten beim Observability-Anbieter, unter dessen Speicher- und Zugriffsregeln. Für personenbezogene Daten heißt das: Der Anbieter muss im Auftragsverarbeitungsvertrag stehen, Serverstandort und Löschfristen gehören geprüft. Auch unter Zero Data Retention ist Full content möglich, die API hält die Inhalte dann nur im Speicher, bis sie zugestellt sind. Die Managed Agents selbst sind nicht für Zero Data Retention zugelassen.
Einrichtung und Grenzen
- Voraussetzungen: Admin-Rolle in der Claude Console und ein OTLP/HTTP-Endpunkt per HTTPS auf Port 443
- Workspaces: Ein Ziel gilt für alle, ausgewählte oder alle außer bestimmten Workspaces, maximal 10 Ziele pro Organisation
- Plattformen: API-Tracing auf der Claude Platform und Claude Platform on AWS, SDK-Tracing überall
- Zustellung: „best effort“, einzelne Spans können verloren gehen. Für die Abrechnung oder das Aufspüren eines geleakten Schlüssels verweist Anthropic auf die Usage API.
Wie viel das bringt, zeigen die Kundenbeispiele in Anthropics Blogbeitrag: Ramp hat nach eigener Aussage mit Langfuse-Traces den Token-Verbrauch einzelner Agenten um 10 bis 20 % gesenkt. FloQast nutzt die Traces in Grafana Cloud, damit Prüfer die Schritte eines Agenten auf einer Zeitleiste nachvollziehen können.
Fazit
Wer Claude-Agenten produktiv betreibt, bekommt mit dem OpenTelemetry-Export endlich dieselbe Sicht wie auf den Rest der Anwendung. Der Einstieg mit „Metadata only“ ist unkritisch und liefert schon Latenz und Kosten. Volle Inhalte lohnen sich für Fehlersuche und Evals, gehören aber erst nach Prüfung von Auftragsverarbeitung und Aufbewahrung beim Observability-Anbieter eingeschaltet. Da es eine Beta ist, können sich Span-Namen und Attribute noch ändern.