Zum Inhalt springen
Zurück zu Updates
17. September 2026
Feature Releasevon Claudius Neidig

Astra for Law: OpenAI baut ein eigenes Modell für die Rechtsrecherche

OpenAI hat am 17. September 2026 ein Modell vorgestellt, das ausschließlich für juristische Recherche gebaut ist: eigener Rechtsindex mit über 230 Millionen Quellen, 40 % bessere Ergebnisse als GPT-6 mit Websuche. Der Zugang läuft vorerst über ein Partnerprogramm.

Ein Fachmodell statt eines Allzweckmodells

OpenAI hat am 17. September 2026 Astra for Law angekündigt. Das Angebot kombiniert das Modell GPT-6 Astra mit einem eigenen Suchindex für Rechtsquellen und mit Anweisungen für juristische Analyse. Der Index umfasst nach Angaben von OpenAI mehr als 230 Millionen URLs mit US-amerikanischer Rechtsprechung, Gesetzen und Verordnungen.

In eigenen Tests erreicht das System bei Rechercheaufgaben eine relative Verbesserung von 40 % gegenüber GPT-6 mit normaler Websuche. Das ist eine Herstellerangabe ohne offengelegte Testmethodik, der Sprung ist aber plausibel: Ein kuratierter Fachindex verhindert genau die Fehler, die Juristen an Allzweckmodellen stören, nämlich erfundene Fundstellen und veraltete Fassungen.


Wie der Zugang läuft

Was Entscheider wissen müssen:

  • Start in ChatGPT und Codex über ein Trusted Access Program für ausgewählte Kanzleien, die API folgt unter dem Modellnamen gpt-6-astra-law.
  • Für berechtigte Kanzleien bietet OpenAI Zero Data Retention auf der API an, Eingaben werden also nicht gespeichert.
  • In ChatGPT Enterprise sind die Inhalte von der automatischen Überprüfung ausgenommen.
  • Mit an Bord sind unter anderem Sullivan & Cromwell, Ropes & Gray, Cooley, Latham & Watkins sowie Harvey, Thomson Reuters und iManage. Dazu kommen 26 weitere Plug-ins aus dem Ökosystem.
  • Preise nennt OpenAI bisher nicht.

Was das für Rechtsabteilungen hier bedeutet

Der wichtigste Punkt zuerst: Der Index deckt US-Recht ab. Für deutsche Sachverhalte ist Astra for Law damit vorerst kein Werkzeug, und ein Modell, das amerikanische Präzedenzfälle sauber zitiert, sagt nichts darüber aus, wie gut es mit deutscher Kommentarliteratur umgeht. Interessant ist das Angebot deshalb zunächst für Unternehmen mit US-Geschäft und für Kanzleien mit transatlantischen Mandaten.

Wichtiger ist das Muster dahinter. Die Anbieter gehen von Allzweckmodellen zu Fachmodellen über, die einen geprüften Datenbestand mitbringen und nicht mehr frei im Web suchen. Genau diese Kombination, kuratierte Quelle plus Modell, entscheidet in regulierten Bereichen über die Brauchbarkeit. Wer heute Legal-Tech evaluiert, sollte deshalb weniger nach dem Modellnamen fragen als danach, welcher Datenbestand darunterliegt, wie oft er aktualisiert wird und ob jede Aussage auf eine belegbare Fundstelle zeigt.


Fazit

Astra for Law ist ein Fachmodell für den US-Rechtsmarkt, kein Werkzeug für deutsche Rechtsfragen. Für dich ist die Ankündigung trotzdem ein Signal: Frag bei Anbietern künftig nach der Datengrundlage und nach nachprüfbaren Belegen, nicht nach dem verbauten Modell. Und kläre vor jedem Test, ob Mandantendaten in die Verarbeitung dürfen, und zwar bevor jemand die erste Akte hochlädt.

Diese Website verwendet Cookies. Notwendige Cookies sind immer aktiv. Analyse-Cookies (PostHog) helfen mir anonym zu verstehen, welche Inhalte hilfreich sind.