Was ist Claude Code?
Claude Code ist Anthropics CLI-Tool für Entwickler. Es läuft direkt im Terminal, hat Zugriff auf dein Dateisystem, kann Code lesen und schreiben, Git-Befehle ausführen und mit externen Tools über MCP-Server kommunizieren. Im Gegensatz zu einem einfachen Chat-Interface arbeitet Claude Code agentenbasiert — es plant, führt aus und verifiziert eigenständig.
Das macht es extrem leistungsfähig, aber auch konfigurationsabhängig. Ohne klare Projektregeln produziert es generischen Code. Mit dem richtigen Setup wird es zum Teamkollegen, der deine Konventionen kennt.
Installation und erster Start
Auf macOS oder Linux installierst du Claude Code am einfachsten über das offizielle Installationsscript oder Homebrew:
curl -fsSL https://claude.ai/install.sh | bash
Alternativ über Homebrew:
brew install --cask claude-code
Danach startest du Claude Code mit claude im Terminal — idealerweise im Root-Verzeichnis deines Projekts. Beim ersten Start verbindest du deinen Anthropic-Account. Claude Code erkennt automatisch, ob es sich in einem Git-Repository befindet, und nutzt diese Information für Kontext.
CLAUDE.md — das Herzstück der Konfiguration
Die CLAUDE.md ist die wichtigste Datei für Claude Code. Sie liegt im Root deines Projekts und definiert die Spielregeln: Welchen Tech-Stack du nutzt, welche Konventionen gelten, wie Commits aussehen sollen und was Claude Code niemals tun darf.
Claude Code liest diese Datei bei jeder Konversation automatisch ein. Das bedeutet: Was hier steht, gilt immer — ohne dass du es jedes Mal wiederholen musst.
Eine gute CLAUDE.md enthält mindestens:
- Tech-Stack: Framework, Sprache, Styling-Lösung, Deployment-Plattform
- Code-Konventionen: Commit-Präfixe, Namenskonventionen, Dateistruktur
- Verbote: Was Claude Code nicht tun soll (z. B. keine neuen Dependencies ohne Rücksprache)
- SEO-Regeln: URL-Struktur, Metadata-Anforderungen, Sitemap-Pflege
- Sicherheitsregeln: Wo Secrets liegen, welche Header Pflicht sind
Je spezifischer die CLAUDE.md, desto besser die Ergebnisse. Generische Regeln wie „Schreibe guten Code" bringen nichts. Konkrete Anweisungen wie „Verwende border-3 border-foreground für alle Rahmen" schon.
Globale vs. projektspezifische CLAUDE.md
Claude Code unterstützt zwei Ebenen von Instruktionen:
- Global (
~/.claude/CLAUDE.md): Gilt für alle Projekte. Hier gehören übergreifende Regeln hin — z. B. Sprache, Sicherheitsstandards, Testing-Pflichten. - Projektspezifisch (
projekt/CLAUDE.md): Gilt nur für dieses Projekt. Tech-Stack, Design-System, Datenstrukturen, Navigation.
Die projektspezifische CLAUDE.md überschreibt die globale nicht — beide werden zusammen geladen. Achte darauf, dass sie sich nicht widersprechen.
Skills: Wiederverwendbare Fähigkeiten
Skills sind Markdown-Dateien mit Frontmatter, die Claude Code spezielle Fähigkeiten geben. Sie liegen unter ~/.claude/skills/ (global) oder .claude/skills/ (projektspezifisch).
Ein Skill wird automatisch verfügbar, wenn die Datei SKILL.md im entsprechenden Ordner liegt. Beispiele für nützliche Skills:
- Code Review: Prüft geänderten Code auf Qualität, Sicherheit und Konventionen
- SEO Check: Prüft Metadata, JSON-LD, Sitemap und Bildoptimierung
- Security Audit: Scannt nach OWASP-Top-10-Schwachstellen
- Deployment Checklist: Pre-Deploy-Prüfung für Vercel/Next.js
Der Vorteil gegenüber einfachen Prompts: Skills sind persistent und können von anderen Teammitgliedern genutzt werden. Einmal erstellt, immer verfügbar.
Commands: Slash-Befehle für wiederkehrende Aufgaben
Commands sind Markdown-Dateien unter .claude/commands/, die als Slash-Befehle verfügbar werden. Technisch sind Commands inzwischen mit Skills zusammengeführt — eine Datei unter .claude/commands/deploy.md funktioniert genauso wie ein Skill unter .claude/skills/deploy/SKILL.md. Bestehende Commands bleiben kompatibel.
Zwei besonders nützliche Commands für jedes Projekt:
- /deploy — TypeScript prüfen, Lint laufen lassen, Build ausführen, committen und pushen
- /check — Qualitätsprüfung: TypeScript, ESLint, Build, SEO-Metadata, Security Headers, Sitemap
Commands sparen nicht nur Zeit — sie sorgen auch dafür, dass vor jedem Deploy die gleichen Prüfungen laufen. Kein „Hab ich vergessen" mehr.
Settings: Berechtigungen steuern
Die .claude/settings.json steuert, welche Aktionen Claude Code ohne Nachfrage ausführen darf. Standardmäßig fragt Claude Code bei jedem Shell-Befehl nach Erlaubnis.
Für ein typisches Next.js-Projekt empfiehlt sich:
{
"permissions": {
"allow": [
"Bash(npm run:*)",
"Bash(git add:*)",
"Bash(git commit:*)",
"Bash(git push:*)",
"Bash(git status)",
"Bash(git diff:*)",
"Bash(git log:*)"
]
}
}
Das erlaubt alle npm-Scripts und grundlegende Git-Operationen. Destruktive Befehle wie rm -rf oder git reset --hard bleiben bewusst ausgeschlossen — dafür fragt Claude Code weiterhin nach.
launch.json: Dev-Server-Konfiguration
Die .claude/launch.json definiert, wie Claude Code den Entwicklungsserver startet. Das ist besonders wichtig für die Preview-Funktion, mit der Claude Code Änderungen direkt im Browser verifizieren kann.
{
"version": "0.0.1",
"configurations": [
{
"name": "dev",
"runtimeExecutable": "npm",
"runtimeArgs": ["run", "dev"],
"port": 3000
}
]
}
Memory: Kontext über Konversationen hinweg
Claude Code hat ein Memory-System, das Informationen zwischen Konversationen speichert — ohne dass du alles wiederholen musst. Es gibt zwei Mechanismen:
- CLAUDE.md-Dateien: Von dir manuell gepflegt. Hier schreibst du Projektregeln, Konventionen und Entscheidungen rein, die dauerhaft gelten sollen.
- Auto-Memory: Claude Code merkt sich automatisch relevante Informationen aus euren Gesprächen — z. B. Feedback, Korrekturen oder Vorgehensweisen, die du bestätigt hast.
Du kannst Auto-Memories auch manuell auslösen („Merk dir, dass wir für PRs immer ein Review brauchen"). Die Auto-Memories liegen als Markdown-Dateien unter ~/.claude/projects/ und werden bei jeder Konversation automatisch geladen.
In der Praxis ergänzen sich beide: Die CLAUDE.md enthält die stabilen Spielregeln, das Auto-Memory fängt die Nuancen auf, die sich im Arbeitsalltag ergeben.
MCP-Server: Externe Tools anbinden
MCP (Model Context Protocol) erlaubt es Claude Code, mit externen Diensten zu kommunizieren — z. B. Airtable, Ahrefs, Vercel, Canva oder Browser-Automatisierung. Jeder MCP-Server stellt bestimmte Tools bereit, die Claude Code dann wie native Fähigkeiten nutzen kann.
MCP-Server werden in der globalen oder projektspezifischen Settings-Datei konfiguriert. Die Einrichtung variiert je nach Server — manche brauchen API-Keys, andere laufen lokal.
Für den Einstieg sind besonders nützlich:
- Vercel MCP: Deployments verwalten, Logs lesen, Preview-URLs erstellen
- Browser MCP: Websites automatisiert testen und Screenshots machen
- Ahrefs MCP: SEO-Daten direkt in den Workflow einbinden
Empfohlene Projektstruktur
Nach der Einrichtung sollte jedes Projekt diese Struktur haben:
projekt/
├── CLAUDE.md ← Projektregeln
└── .claude/
├── settings.json ← Berechtigungen
├── launch.json ← Dev-Server-Config
└── commands/
├── deploy.md ← /deploy Befehl
└── check.md ← /check Befehl
Optional dazu: .claude/skills/ für projektspezifische Skills und .claude/memory/ für persistente Notizen.
Die 5 wichtigsten Best Practices
- 1. CLAUDE.md pflegen: Je detaillierter, desto besser. Aktualisiere sie regelmäßig, wenn sich Konventionen ändern.
- 2. Commands für Standards nutzen: Alles was vor jedem Deploy passieren muss, gehört in einen Command — nicht in deinen Kopf.
- 3. Berechtigungen bewusst setzen: Erlaube nur, was sicher ist. Lieber einmal mehr bestätigen als einmal zu wenig.
- 4. Feedback geben: Wenn Claude Code etwas falsch macht, sag es direkt. Es merkt sich die Korrektur für zukünftige Konversationen.
- 5. Nicht blind vertrauen: Claude Code ist mächtig, aber nicht unfehlbar. Prüfe Änderungen — besonders bei Sicherheits- und SEO-relevantem Code.