Wer nach deiner Marke sucht, liest zuerst Google
Lange galten Markensuchen als sicherer Hafen. Wer gezielt nach einem Firmennamen sucht, will auf die Website, also blendet Google dort selten eine KI-Antwort ein. Diese Annahme gilt nicht mehr. Laut einer neuen Ahrefs-Studie zeigte Google am 29. September 2026 bei 82,91 % der US-Desktop-Ergebnisse für Markensuchen eine AI Overview.
Der Anstieg kam schnell. Im Monatsschnitt lag der Anteil im Juli bei 61,3 %, im August bei 65,1 % und im September bei 73,3 %. Andere Messungen, etwa von DemandSphere, sehen um den 27. September einen plötzlichen Sprung. Das spricht für eine bewusste Änderung bei Google und nicht für einen schleichenden Trend.
Die Studie im Überblick:
- 232,8 Millionen Crawls von US-Desktop-Suchergebnissen zwischen Juli und September 2026, davon 92,5 Millionen für Markensuchen
- Zusätzlich ein Panel mit 100 großen Marken, 14 Wochen lang wöchentlich geprüft
- Bei Suchen ohne Markenbezug stieg der Anteil im selben Zeitraum nur von 73,5 % auf 78,3 %
Die KI-Antwort steht ganz oben
Von 63 genauer untersuchten KI-Antworten zu Marken standen 48 auf Position eins, also über dem eigenen Website-Treffer. Wer nach deinem Unternehmen sucht, liest damit zuerst eine Zusammenfassung, die Google aus fremden Quellen baut.
Diese Quellen sind aufschlussreich. Wikipedia tauchte in 71,9 % der Antworten als Quelle auf, YouTube in 38,6 %, LinkedIn in 22,8 %, Yahoo Finance in 15,8 % und Facebook in 10,5 %. Wettbewerber spielen dagegen kaum eine Rolle: Nur 2 von 58 Antworten erwähnten konkurrierende Marken.
Es geht weniger um Klicks als um die Erzählung
Frühere Ahrefs-Auswertungen zeigen, dass die bestplatzierte Seite deutlich weniger Klicks bekommt, wenn eine KI-Antwort darüber steht. Für Markensuchen gibt es dazu noch keine belastbare Zahl. Wer deinen Namen eintippt, klickt oft trotzdem weiter, etwa zum Login oder zum Kontakt.
Das größere Risiko liegt woanders. Google erzählt in dieser Antwort, wer du bist, was du anbietest und wie du einzuordnen bist. Steht in deinem Wikipedia-Artikel ein veralteter Firmensitz oder auf LinkedIn eine alte Beschreibung, landet genau das ganz oben. Die Studie betrifft die USA, die Richtung dürfte für Deutschland aber dieselbe sein, denn auch hier sind AI Overviews längst aktiv.
Was du jetzt tun kannst
- Selbst nachsehen: Deinen Firmennamen, deine Produktnamen und „Firma + Erfahrungen“ googeln, am besten in einem privaten Fenster. Was steht in der KI-Antwort, und welche Quellen sind verlinkt?
- Fremdquellen pflegen: LinkedIn-Unternehmensseite, YouTube-Kanal, Branchenverzeichnisse und Bewertungsportale auf einen aktuellen Stand bringen. Bei Wikipedia gilt: Fehler über die Diskussionsseite melden, nicht selbst am eigenen Artikel schreiben.
- Eigene Seiten klar halten: Eine „Über uns“-Seite mit eindeutigen Fakten (Gründung, Sitz, Leistungen) und strukturierten Daten hilft Google, die richtige Version zu übernehmen.
- Regelmäßig messen: In der Search Console die Klickrate der Markensuchen beobachten. Für die KI-Sichtbarkeit selbst gibt es Monitoring-Tools wie Ahrefs Brand Radar, Peec AI oder Profound.
Fazit
Die eigene Marke ist kein Selbstläufer mehr in der Suche. Wenn Google bei mehr als vier von fünf Markensuchen eine eigene Antwort zeigt, entscheiden fremde Plattformen mit, wie dein Unternehmen wahrgenommen wird. Einmal im Quartal die eigenen Markensuchen durchzugehen und die wichtigsten Fremdquellen zu pflegen, kostet wenig und verhindert, dass eine veraltete Beschreibung zum ersten Eindruck wird.