Wenn nicht mehr nur Menschen auf die Website kommen
Contentsquare hat am 13. Oktober 2026 eine überarbeitete Experience Platform vorgestellt. Der Kern: Die Analyseplattform unterscheidet künftig zwischen menschlichen Besuchern, Verkehr aus Sprachmodellen wie ChatGPT und autonomen KI-Agenten, die im Auftrag von Kunden Seiten aufrufen oder einkaufen.
Für Online-Shops und Marketing-Teams ist das relevant, weil KI-Agenten Kennzahlen verzerren. Ein Agent, der zehn Produktseiten in Sekunden abruft, sieht in klassischen Analysen aus wie ein ungeduldiger Mensch. Wer nicht trennt, optimiert an den falschen Stellen.
Die neuen Funktionen im Überblick:
- Analyse von Mensch, LLM und Agent: Verkehr aus Sprachmodellen und von Agenten wird getrennt von menschlichen Sitzungen ausgewertet.
- Conversation Intelligence: Sprach- und Textgespräche sowie Chatbot-Dialoge fließen als Ereignisse in die Customer Journey ein.
- Journeys über mehrere Sitzungen: Wege über Sitzungen, Kanäle und Geräte hinweg, dazu automatisches WebMCP-Monitoring für Agenten.
- Multi-Touch-Attribution: Conversions werden über alle Kontaktpunkte bewertet, einschließlich LLM- und KI-Verkehr.
Sense: Der KI-Assistent soll Tests selbst bauen
Die agentische Ebene der Plattform heißt Sense. Sie erkennt Reibungspunkte, beziffert deren Umsatzwirkung und priorisiert sie. Neu sind unter anderem:
- Agentische Experimente: Sense formuliert Hypothesen, entwirft und programmiert Varianten, startet Tests und prüft die Umsatzwirkung. Das Team gibt den Ablauf frei.
- Benchmarks: Vergleich von Seitenelementen und Abläufen mit Wettbewerbern der Branche, auf Basis von zehn Jahren Daten.
- Morgendliche Zusammenfassungen in Microsoft Teams oder Slack, eine mobile App und visuelle Auswertungen.
Für Tests und Personalisierung baut Contentsquare die Anbindungen an Dynamic Yield, Optimizely und Kameleoon aus.
Anbindung an KI-Assistenten per MCP
Die Plattform lässt sich über das Model Context Protocol an KI-Assistenten anbinden. Contentsquare nennt Claude, Microsoft Copilot, ChatGPT, Figma, Dust, Cursor, VS Code Copilot und Amazon QuickSight. Produkt- und UX-Teams können Journey-Daten damit direkt in dem Werkzeug abfragen, in dem sie ohnehin arbeiten.
Was Unternehmen vor dem Einsatz klären sollten
- Datenschutz bei Gesprächsanalysen: Wer Chat- und Sprachgespräche mit dem Verhalten auf der Website verknüpft, verarbeitet personenbezogene Daten in neuem Umfang. Rechtsgrundlage, Einwilligung und Datenschutz-Folgenabschätzung gehören vorab geprüft.
- Freigabe automatischer Tests: Wenn Sense Varianten selbst programmiert, braucht es klare Regeln, wer freigibt und welche Seitenbereiche tabu sind, etwa Preise oder rechtliche Hinweise.
- MCP-Zugriffe begrenzen: Jede Verbindung zu einem KI-Assistenten öffnet einen weiteren Weg zu Kundendaten. Rechte gehören auf das Nötige beschränkt.
Verfügbarkeit
Die neue Plattform ist seit dem 13. Oktober als Beta für ausgewählte Kunden verfügbar. Ein breiterer Zugang soll schrittweise folgen, ein Datum nennt Contentsquare nicht. Auch Preise enthält die Ankündigung nicht.
Fazit
Contentsquare greift ein Problem auf, das viele Shops gerade erst bemerken: KI-Agenten und Verkehr aus Sprachmodellen verändern die Zahlen, auf denen Optimierungen beruhen. Die getrennte Auswertung ist der wertvollste Teil der Ankündigung. Die agentischen Experimente klingen vielversprechend, sollten aber erst mit klaren Freigaberegeln laufen. Bestandskunden fragen am besten jetzt nach dem Beta-Zugang und prüfen parallel den Datenschutz der Gesprächsanalysen.