Worum es im Semrush-Leitfaden geht
Chris Hanna beschreibt im Semrush-Blog vom 10. September 2026, wie sich eine komplette Keyword-Recherche mit Claude aufsetzen lässt. Kern ist ein eigenes Claude-Projekt, das über den Semrush-MCP-Connector direkt Suchvolumen, Keyword Difficulty und Suchintention abfragt. Dazu kommen Daten, die Semrush nicht hat: Exporte aus der Google Search Console, Kundenrezensionen, Reddit-Threads und Transkripte von Verkaufsgesprächen.
Der Workflow ist in vier Teile gegliedert. Das Ergebnis ist am Ende eine einzige CSV-Datei mit priorisierten Keywords, Themenclustern und einer Begründung pro Eintrag.
Teil 1: Das Claude-Projekt als Arbeitsgrundlage
Bevor Claude irgendetwas recherchiert, bekommt das Projekt Kontext. Semrush empfiehlt ein Dokument, das fünf Fragen beantwortet: Was verkaufst du, an wen, welche Probleme löst das Produkt, wer sind die Wettbewerber und welche Regeln gelten (etwa Themen, die tabu sind). Ergänzt wird das um eine Liste der bestehenden URLs, damit Claude zwischen neuen Seiten und Optimierung vorhandener Inhalte unterscheiden kann.
Was Teams vorab klären sollten:
- Für die Search Console gibt es laut Semrush keinen offiziellen MCP-Server. Die Daten kommen als CSV-Export aus dem Leistungsbericht, monatlich neu.
- Jede Abfrage verbraucht Semrush-API-Units und Claude-Tokens. Semrush weist ausdrücklich darauf hin, beide Limits im Blick zu behalten.
- Der Semrush-Connector setzt ein Semrush-Abo mit API-Zugang voraus.
Teil 2 und 3: Lücken finden und Kundensprache auswerten
Für die Wettbewerbsanalyse lässt Claude die Konkurrenten aus dem Kontextdokument nacheinander gegen die eigene Domain laufen, gefiltert nach Mindestvolumen, KD-Spanne und Intention. Pro Wettbewerber kommen bis zu zehn Keywords zurück, für die der andere rankt und du nicht. Die Search-Console-Daten liefern die schnellen Gewinne: Begriffe auf Position 8 bis 20, Seiten mit vielen Impressionen und schwacher Klickrate sowie inhaltliche Lücken.
Spannender ist der dritte Teil. Claude gruppiert Rezensionen von G2, Capterra oder Amazon nach wiederkehrenden Themen und übersetzt Formulierungen von Kunden in realistische Suchanfragen. Dasselbe passiert mit Reddit-Threads und Sales-Call-Transkripten. Jede Idee wird anschließend über Semrush validiert. Begriffe ohne messbares Suchvolumen landen separat auf einer Liste, weil sie trotzdem wertvoll sein können, etwa für Landingpages im Vertrieb.
Datenschutz: Sales-Calls gehören nicht einfach in den Chat
Hier sollte die Enterprise-Brille besonders scharf sein. Transkripte von Verkaufsgesprächen enthalten Namen, Firmen, Preise und manchmal vertrauliche Details. Wer sie in Claude hochlädt, verarbeitet personenbezogene Daten bei einem US-Anbieter. Das geht, braucht aber eine Rechtsgrundlage, einen passenden Vertrag (etwa Claude for Work mit Auftragsverarbeitung) und idealerweise vorher geschwärzte Transkripte.
Praktikabel ist ein Zwischenschritt: Transkripte intern auf Pain Points und Formulierungen reduzieren und nur diese Auszüge ins Projekt geben. Für die Keyword-Recherche reichen sie völlig.
Teil 4: Priorisieren, und wo der Ansatz Grenzen hat
Zum Schluss führt Claude alle Listen zu einer Masterdatei zusammen. Die Reihenfolge der Kriterien ist bewusst gewählt: zuerst Relevanz fürs Geschäft, dann Suchvolumen und Schwierigkeit. Das ist der eigentliche Mehrwert gegenüber einem reinen Keyword-Export, weil das Kontextdokument die Bewertung steuert.
Semrush nennt die Schwachstellen selbst. Die Zuordnung zu bestehenden Seiten basiert auf URL-Mustern und ist „nicht perfekt“. Die Reddit-Methode funktioniert nur bei Threads, die bei Google gut sichtbar sind. Und die Einschätzung von Claude ersetzt keinen Blick in die tatsächlichen Suchergebnisse. Wer mit Ahrefs statt Semrush arbeitet, kann den Aufbau übrigens übernehmen, da es auch dort einen MCP-Server gibt.
Fazit
Der Workflow ist weniger ein Trick als eine saubere Arbeitsorganisation: Kontext zuerst, dann Daten aus mehreren Quellen, zum Schluss eine begründete Priorisierung. Für Marketing-Teams, die ohnehin Claude und Semrush lizenziert haben, lohnt der Nachbau. Kläre vorher Budgets für API-Units und lege fest, welche internen Daten (vor allem Gesprächstranskripte) in Claude landen dürfen.